"That's really impressive", she said
Ha! He'd broken bones, killed an altered human, carried her rhino of a cousin and she didn't blink an eye. But the moment he said two words in another language, she decided to be impressed.
Genre: Urban Fantasy/ Romantic Fantasy
Wesen: Magie, Gestaltwandler [keine Vampire]
Mit „Bayou Moon“ kehren wir zurück in die Welt zwischen den Welten: The Edge. Im Mittelpunkt des Romans steht diesmal William, der Gestaltwandler, den wir schon aus „On the Edge“ kennen.
Zwei Jahre hat er sich nach „the Broken“, die magielose Welt, wie wir sie kennen, zurückgezogen. Fernab von seiner harten Kindheit in einem Land, in dem Gestaltwandler nach der Geburt ermordet oder in tristen Heimen zu Kampfmaschinen gedrillt werden. Fernab von seinem besten Freund Declan, der ihm die Frau, auf die er ein Auge geworfen hatte, vor der Nase weggeschnappt hat.
Doch diese Ruhe wird gestört, als zwei Agenten des Mirror, des Geheimdienstes von Adrianglia, an seiner Tür auftauchen. Seit langem belauern sich in der magischen Welt „the Weird“ die verfeindeten Reiche Louisiana und Adrianglia, aber jetzt scheint Louisiana eine Geheimwaffe gefunden zu haben, die ihm den Sieg über den Feind garantieren würde. Diese Waffe ist tief in den Sümpfen des Mire in „the Edge“ verborgen und eine Gruppe magisch mutierter Agenten von Louisianas Geheimdienst, der Hand, sind auf dem Weg dorthin. Unter der Führung von Williams Todfeind Spider, der es sich zum Ziel gemacht hat, alle Gestaltwandler auszurotten. Die Aussicht, Spider endlich vernichten zu können, lässt William den Auftrag, die Hand zu stoppen und dem Mirror die Geheimwaffe auszuhändigen, annehmen.
Auf dem Weg in den Mire trifft William auf die Edgerin Cerise Mar, die mit ihrer Familie tief in den Sümpfen lebt und ihre ganz eigenen Kämpfe auszufechten hat. Für eine Weile werden die beiden zu Weg- und Kampfgefährten und vielleicht auch zu etwas mehr...
Noch weniger als auf den Vorgänger „On the Edge“ passt das Label „Paranormal Romance“ auf „Bayou Moon“. Der Roman ist düster, actionreich und blutig. Sicher, er ist auch romantisch, aber anders als im Vorgänger ist Ilona Andrews nicht mehr bemüht, die Liebesgeschichte das Hauptthema sein zu lassen. Auf stolzen 440 Seiten macht sie das, was sie am besten kann: Sie lässt zwei eigenwillige Charaktere miteinander interagieren und gegen viele viele Monster kämpfen.
Das Ergebnis sehe ich zwiespältig, wenn auch überwiegend positiv.
Bei ihren ersten Büchern hatte Ilona Andrews von ihrem Verlag noch ein Seitenlimit, deshalb sind die ersten „Kate Daniels“-Bände so straff und dicht. Gerade das mochte ich. Jetzt darf sie mehr schreiben und nutzt das auch. Schon „Magic Bleeds“ war sehr dick und „Bayou Moon“ ist noch dicker. Bei beiden Büchern hatte ich das Gefühl, dass die zusätzlichen Seiten vor allem in Actionszenen investiert wurden. Versteht mich nicht falsch, gut geschriebene, temporeiche und blutige Actionszenen sind etwas Tolles und definitiv eine Stärke des Autorenteams Andrews. aber gerade in der zweiten Hälfte von „Bayou Moon“ jagt ein Scharmützel den nächste und ich empfinde eine solche Häufung von Kampfszenen als ähnlich ermüdend, wie den Sex- und Schmachtmarathon, die andere Autorinnen hinlegen, die sich „Paranormal Romance“ auf ihre Fahnen geschrieben haben.
Sowohl William als gedrillter Soldat, als auch die kampferprobte Cerise haben kein Problem mit dem Töten und entsprechend blutig fällt das Buch stellenweise auch aus. Dazu die mutierten Agenten der Hand und dem Leser sei kein allzu empfindliches Gemüt geraten. Bei mir erreichte dieses Gewaltpotential den Rand dessen, mit dem ich mich wohlfühle, denn ich weiß nicht sicher, ob ich kein Problem mit Figuren habe, die so wenig Probleme mit dem Niedermetzeln ihrer Feinde haben.
Aber bevor jetzt der Eindruck entsteht, dass das Buch ein einziges düsteres Blutbad ist: Nein, das ist es definitiv nicht. Die Grundstimmung ist etwas gedrückt, ja. Denn Ilona Andrews lässt ihr sumpfiges Setting so lebendig vor dem inneren Auge auferstehen, dass man den Modder förmlich riecht. Aber sie füllt es mit ihren lebendigen Figuren, denen Selbstironie nicht fern ist, und nutzt ihr großartiges Gespür für Situationskomik.
William ist nicht nur der gedrillte Kämpfer, als der er sich in der zweiten Hälfte des Romans präsentiert, er ist in anderen Momenten auch ein kleiner Junge, der Actionfiguren sammelt oder beinahe unsicher die Frau, die er begehrt, beäugt, und sich fragt, ob er es wagen kann, einen Übergriff zu starten, ohne dass sie ihm einen Dolch zwischen die Rippen rammt und die Flucht ergreift. Ich liebe es, dass der Wolf in ihm auch seine Art zu denken beeinflusst, so dass seine Gedankengänge sich von denen unterscheiden, die ein normaler Mensch hätte. Im Vergleich zu Declan ist William vielseitiger und liebenswerter und ein großartiger Held für diesen Roman. (Ganz persönlich war aber Declan mehr mein Fall, ich stehe einfach mehr auf die gepflegten, arroganten Adeligen als auf die animalischen Gestaltwandler. ;))
Cerise ist eine typische Andrews-Heldin: Stark, kampferprobt, Selbstbewusst, aber nicht ohne eine menschliche schwache Seite. Ich habe mehrere Meinungen gelesen, in denen bemängelt wurde Cerise würde Rose zu sehr ähneln. Von außen betrachtet mag das so sein, für mich fühlte sich Cerise völlig anders an als Rose. Rose empfand ich als wärmer, gemäßigter und allgemein ruhiger, so dass ein Vergleich für mich gar nicht aufkam.
Ganz abgesehen davon: Lieber tausend ähnliche Kates, Roses und Cerises als noch ein törichtes Weibchen mehr. Ich bin so dankbar für Heldinnen, die nicht so von ihrem männlichen Gegenpart so überwältigt werden, dass es ihren Verstand benebelt. Danke für Frauen, die für sich entscheiden, dass sie einen Mann wollen und ihm auf Augenhöhe ohne vorgeschobene Zierereien begegnen. So finde ich Romance dann auch wirklich romantisch.
Neben den Helden und dem Humor liebe ich auch die Welt, in der die Geschichte spielt. Dieses simple Konzept der kleinen Welt zwischen zwei großen Welten eröffnet eine Vielzahl von spannenden Möglichkeiten. Die Gegensätzlichkeit des von moderner Technik bestimmten Broken und des magiegetriebenen Weird mischt sich in „the Edge“ zu einem Fantasysetting, das sich altertümlich und modern zugleich anfühlt. Es wird mit Schwertern und Magie gekämpft, aber auch mit Gewehren, es werden Kaninchen gejagt aber auch Thunfischdosen aus Broken geöffnet. Einfach klasse.
Wie ich eingangs schon sagte: Das Label „Paranormal Romance“, unter dem die Reihe anfangs lief, passt nicht mehr. Der Plot hätte komplett auch ohne Liebesgeschichte funktioniert und tatsächlich bleibt die, abgesehen vom in Gedanken häufiger geäußertem Begehren und einigen wenigen Liebesszenen, relativ im Hintergrund. Wer Wert auf viel Lust und Leidenschaft legt, wird nicht glücklich werden mit dem Buch. Wer besagte Dinge gerne als Würze in einer spannenden Geschichte hat, für den ist „Bayou Moon“ der richtige Roman.
„Bayou Moon“ spielt mit Elementen aus vielen Genres und wird zu etwas ganz eigenem, was so recht in keine Schublade passt. Ich hoffe das findet Nachahmer, denn dieses Mischmasch macht mir richtig Spaß.
Sollte ich „Bayou Moon“ und „On the Edge“ vergleichen, fiele mir das schwer. Beide Bücher haben ihre Stärken und Schwächen und fühlen
sich völlig unterschiedlich an. Ich mag sie beide.
+++++
Der Held für Band 3 steht mit Kaldar übrigens auch schon fest. Nicht, dass mich die Wahl besonders überrascht hätte. *g*
Weitere Bände:
1. On the Edge (Magische Begegnung [Land der Schatten 1] ab Oktober bei Lyx)